Die Magie von Alla Prima: Kunst hier und jetzt

Die meisten Menschen stellen sich die Arbeit eines Künstlers als einen langen und fast meditativen Prozess vor: eine Farbschicht, Warten, eine weitere Schicht, wieder Warten. Und das ist in der Tat so. Doch es gibt eine Technik, die mit den üblichen Regeln bricht. Sie heißt „alla prima“ – vom Italienischen „alla prima“, was mit „auf den ersten Versuch“ übersetzt werden kann.

Bei dieser Technik entsteht das Gemälde in einer einzigen Sitzung, während die Farbe noch feucht ist. Es gibt keine Möglichkeit, eine Woche später zurückzukommen und eine unsichtbare Korrektur vorzunehmen. Die Leinwand wird zum Schauplatz eines ehrlichen Dialogs zwischen dem Künstler und dem Augenblick. Manchmal inspirierend, manchmal ein wenig riskant – als würde man eine wichtige Nachricht versenden, ohne sie zuvor zehnmal durchzulesen.

Es überrascht nicht, dass dieser Ansatz besonders bei den Impressionisten beliebt war. „Alla prima“ erfordert nicht nur Können, sondern auch Mut. Es bleibt keine Zeit für endlose Zweifel: Jeder Pinselstrich bleibt Teil der Geschichte des Gemäldes.

Deshalb besitzen solche Werke eine besondere Energie. Sie bewahren nicht nur das Bild, sondern auch den Zustand. Ein flüchtiger Sonnenstrahl auf Blütenblättern, die kühle Luft eines Sommerabends, die Stimmung eines bestimmten Tages – all das bleibt auf der Leinwand erhalten, fast so, wie der Künstler diesen Moment gesehen und gefühlt hat.